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Experten-Chat

Im Experten-Chat von diabetesschweiz beantworten Experten Fragen rund um das Thema Diabetes.

Diabetische Nephropathie

Am Dienstag, 30. Oktober 2012, stand Dr. med. Isabelle Binet zum Thema "Diabetische Nephropathie" Rede und Antwort.

Betroffene und Interessierte konnten sich wärend dieses Abends von 17.00 bis 19.00 Uhr direkt online an die Fachärztin wenden. Oder Ihre Fragen bereits ab dem 3. Oktober per Kontaktformular einsenden.

Expertin:
Dr. med. Isabelle Binet
Fachbereich Nephrologie / Transplantationsmedizin
Kantonsspital St. Gallen

Protokoll vom 30. Oktober "Diabetische Nephropathie"

Sonja B. fragt:                       
Sehr geehrte Frau Dr. Binet
Ich bin Diabetikerin und stark übergewichtig. Leider sind alle meine Abnehmversuche bis jetzt gescheitert und ich ziehe es in Betracht, eine Magenverkleinerung durchzuführen. Als Diabetikerin habe ich Angst vor vielen Begleiterkrankungen. Könnten Sie mir bitte sagen, worauf ich besonders achten kann, um mich insbesondere vor einer Dialyse zu schützen?
Vielen Dank für Ihre Hilfe!

Dr. med. Isabelle Binet:
Liebe Frau B. 

Sie haben schon das Problem erkannt, was ein wichtiger Schritt ist! Optimale Blutdruck und Blutzucker-Einstellung sind das A und O der sogenannten „Nephroprotektion“, das heisst Schutz der Nieren gegen Abnahme der Funktion. Ziel Blutdruck ist maximal 130/80  (falls kein relevanter Verlust an Eiweiss (Albumin) im Urin besteht). Gemäss Empfehlung Ihres Hausarztes oder Ihrer Diabetesspezialistin ist auch eine ganzheitliche Betreuung in sogenannten „Adipositas Sprechstunden“ möglich.
Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!
Mit freundlichen Grüssen
Dr med I Binet


Martin K. fragt:
Woran erkenne ich, dass meine Nieren beireits durch Diabetes geschädigt worden sind?

Dr. med. Isabelle Binet:
Sehr geehrter Herr K.
Dies erkennen Sie, indem Ihr Hausarzt oder Ihr Diabetesspezialist die Ausscheidung von Albumin (oder Eiweiss) im Urin gemessen hat, eine Blutentnahme gemacht hat um ein Marker der Nierenfunktion zu messen (= das Serum-Kreatinin) und daraus gemäss einer Formel Ihre Nierenfunktion geschätzt hat. Als Ergänzung dazu sind 2 weitere Messungen  wichtig: Blutdruck und Blutzucker (Tagesprofil und sogenannte HbA1c (stellt die Langzeit-Zuckereinstellung dar).
Ich hoffe natürlich, dass Ihre Nierenwerte gut sind und keinen Hinweis auf einen Nierenschaden zeigen!
Mit freundlichen Grüssen
Dr med I Binet


J. B. fragt:
Sehr geehrte Frau Binet
Könnten Sie mir bitte sagen, wie oft die Nierenwerte kontrolliert werden sollen? Und soll ich als Diabetiker regelmässig zu einem Nephrologen gehen? Vielen Dank für Ihre Antwort.

 Dr. med. Isabelle Binet
Sehr geehrter Herr B.
Wenn Ihre Nierenfunktion aktuell perfekt ist, keine Albumin im Urin nachweisbar ist, die Blutzuckereinstellung optimal und der Blutdruck unter 130/80, dann reicht 1x pro Jahr bei Ihrem Hausarzt. Bei Albumin im Urin und / oder zu hohem Blutdruck sind Medikamenten indiziert, die diese Probleme einstellen, was die Nierenfunktion schützt. Auch hier ist der Hausarzt ein sehr guter Ansprechpartner, um die nötigen Massnahmen zu treffen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion sind weitere Massnahmen zu treffen und die Kontrolle häufiger zu planen, je nach Grad des Schadens, dies sollten Sie am besten mit dem Hausarzt besprechen, bei einer Nierenfunktion unterhalb von 30% wäre eine Standortbestimmung bei einem Nierenspezialist zu empfehlen.  Das A und O für einen optimalen Schutz der Nieren bei Diabetes ist eine optimale Blutdruck– und Blutzuckereinstellung.
Mit freundlichen Grüssen
Dr med I Binet


Sandra K. fragt:
Sehr geehrter Frau Dr. Binet
Meine Mutter ist Diabetes Typ 1 Patientin, sie ist 71 Jahre alt und nun seit einigen Wochen dialysepflichtig. Sie hat nun Angst, dass sie eine Nierentranplantation machen muss. Können Sie mir weiterhelfen, wann ein solcher Eingriff sinnvoll ist?

Dr. med. Isabelle Binet:

Sehr geehrte Frau K.
Das ist eine zentrale Frage, die Sie hier stellen, leider lässt sich so eine Frage nicht kurz und spezifisch für Ihre Mutter beantworten: grundsätzlich ist eine Nierentransplantation als eine Chance zu sehen, über 70 Jahre kann es immer noch eine Chance sein, wenn die sonstigen Abklärungen insb. von Herz und Gefässen keine übermässigen Begleiterkrankungen zeigen. Empfehlenswert wäre auf jeden Fall eine Besprechung mit dem Nierenspezialist Ihrer Mutter, um in ihrem spezifischen Fall die Vor- und Nachteile  einer Transplantation zu erwägen. Wenn eine Transplantation voraussichtlich mehr Vor- als Nachteile bringen würde, dann wäre tatsächlich eine Listung vorzuziehen, die definitive Entscheidung ist jedoch abhängig von den verschiedenen Abklärungen, die vorher notwendig sind.
Mit freundlichen Grüssen
Dr med I Binet


Simon S. fragt:
Ich bin seit mehr als 10 Jahren Typ2 Diabetiker und hatte bis jetzt zum Glück noch keine Probleme mit der Niere. Auf der Packungsbeilage von Metformin (dieses nehme ich täglich) steht jedoch, dass es bei Nierenfehlfunktionen nicht verwendet werden sollte. Bedeutet das, dass es die Fehlfunktionen begünstigt?

Dr. med. Isabelle Binet:
Sehr geehrter Herr S.
Ich kann Sie beruhigen, ein Nierenschaden entsteht durch das Einnehmen von Metformin nicht. Jedoch bei deutlich eingeschränkten Nierenfunktion, insbesondere in Rahmen von Zwischenereignissen wie zum Beispiel einer Magendarmgrippe, kann das Metformin eine Übersäuerung des Blutes verursachen. Deshalb ist dieses sonst sehr gute Medikament mit Vorsicht zu benützen und ggf. zu vermeiden,  wenn die Nierenfunktion mässig bis schwer eingeschränkt ist. Da Sie erwähnen keinen Nierenbefall mit dem Diabetes zu haben, sollte diese Behandlung für Sie ganz in Ordnung sein. Dies wäre allerdings eine gute Gelegenheit, um Ihren Hausarzt zu fragen, wie viel Prozent Nierenfunktion Sie haben und ob Sie Eiweiss (Albumin) im Urin haben (ein Nierenbefall läuft meistens ganz stumm für den Patient, so dass ohne Untersuchung dieser Befall oft nicht bekannt ist).
Mit freundlichen Grüssen
Dr med I Binet


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